Sommerzeit ist Festleszeit und bekanntlich geht die Liebe zum Sommer durch den Magen. Darf es das ehrliche Steakweckle sein, eine knackige Rote oder doch ein saftiger Burger mit allem Drum und Dran? Ein Blick auf das Klosterfest in Bad Herrenalb zeigt: Neben dem klassischen Fingerfood im Brötchen gibt es einen unschlagbaren Dauerbrenner, der Jahr für Jahr für meterlange Warteschlangen und begeisterte Rückmeldungen sorgt, die des Lobes voll via Mail und handschriftlichen Dankesbriefen berichten.
Frische als Credo: Zentnerweise Kartoffeln und hausgemachte Remoulade
Was einst auf eine Idee des verstorbenen Vereinsmitglieds Hartmut Adomeid zurückging, hat sich zum echten Klosterfest-Highlight entwickelt. Ein Ausreißer im typischen Festangebot, der Vorbereitung braucht: „Schon ein halbes Jahr im Voraus bestellen wir den Seehecht für das Festwochenende“, erzählt Boht. Die Rede ist vom Stand des Männergesangvereins (MGV) „Liederkranz Gaistal 1897 e. V.“. Seit über einem Vierteljahrhundert bewahrt der Verein eine kulinarische Tradition, die Feinschmecker weit über die Stadtgrenzen hinaus aufhorchen lässt: „Bei uns gibt es Fisch“, erklärt der Vereinsvorsitzende Helmut Boht. Wenn das „Fest der Feste“ bevorsteht, packt der gesamte Verein an. „Alles wird frisch gemacht, nix kommt aus dem Eimer“, betont der Vorsitzende stolz. Das gilt vom Weinteig, durch den der Fisch vor dem Frittieren gezogen wird, über die selbstgemachte Remoulade bis hin zum Kartoffelsalat, für dessen Herstellung sich die Helferinnen und Helfer bereits am Samstagmorgen um 5 Uhr treffen: „Da sitzen die Frauen zusammen und schnippeln Zentner von gekochten Kartoffeln, und das jeden Tag frisch, damit ab 10 Uhr serviert werden kann.“
Gemütlichkeit wie daheim
Dass das Konzept so erfolgreich ist, liegt nicht nur am Essen selbst, sondern auch am besonderen Service des MGV Liederkranz Gaistal. Neben dem aufwendigen Stand- und Zeltaufbau, inklusive Tischen und Bänken bringen die Gaistäler eine Fritteuse und sogar eine eigene Spülmaschine mit auf den Stand.
„Bei uns ist alles wie zu Hause“, schmunzelt Helmut Boht. Denn der frische Seehecht samt Kartoffelsalat wird nicht auf Papptellern, sondern stilvoll mit Messer und Gabel auf echtem Porzellan serviert. Wer möchte, genießt den Fisch entspannt mit einem Glas Wein oder Bier unterm Zeltdach. Doch nicht nur zum, Verzehr vor Ort ist der Andrang groß: Zahlreiche Besucher reihen sich mit mitgebrachten Schüsseln in die Schlange ein, um den Gaistäler Festtagsfisch zu Hause im Kreis der Familie zu genießen.
Ehrenamt im Schichtbetrieb
Um den Ansturm zu bewältigen, läuft hinter den Kulissen ein straff organisierter Schichtbetrieb. Rund 100 Mitglieder zählt der Verein. Am Samstag und Sonntag sorgen jeweils drei Schichten mit je zehn Personen dafür, dass von morgens 10 Uhr bis zum Feierabend ununterbrochen frischer Fisch über die Theke geht. „Bis nichts mehr da ist“, so Boht, der betont: „Am Sonntag ist dann meist gegen 17 Uhr Schluss.“
Dass im Verein die Chemie stimmt und Traditionen gepflegt werden, ist auch dem langjährigen Engagement der Spitze zu verdanken. Vereinsvorsitzender Helmut Boht, der bereits von 1975 bis 1985 den Sängerkranz Rotensol führte und seit 2011 den MGV Liederkranz Gaistal leitet (nachdem er zuvor ab 1999 als 2. Vorstand wirkte), durfte sich vor kurzem über eine ganz besondere Anerkennung freuen: Beim Chorverbandstag des Chorverbandes Schwarzwald Nord wurde er im April für seine verdienstvolle ehrenamtliche Arbeit mit der „Goldenen Ehrennadel“ ausgezeichnet.
Wenn am Wochenende also der Duft von frischem Backfisch durch die Klosterstraße zieht, feiert Bad Herrenalb nicht nur ein Fest der Begegnung, sondern auch den unermüdlichen Einsatz der Gaistäler Sänger und Helfer.